Kollagen: Wirkung und Nebenwirkungen von Pulver und Co.
Stand: 22.04.2026 09:16 Uhr | vom Kollagen als Pulver, Kapseln oder Creme wird oft als Wundermittel dargestellt. Es soll Gelenke stärken und das Hautbild verjüngen. Ist es sinnvoll das Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen? von Jasmin Bannan-Döblitz Kollagen is
Kollagen ist ein Strukturprotein im menschlichen Körper. Es bildet ein stabiles Gerüst und verleiht Haut, Knochen, Sehnen, Knorpel und Bindegewebe Festigkeit und Struktur. Der Körper stellt Kollagen selbst her, allerdings nimmt diese Syntheseleistung mit dem Alter ab. Dadurch verändern sich die Eigenschaften von Haut, Gewebe und auch die Belastbarkeit von Gelenken. Wie anpassungsfähig dieses Gewebe ist, zeigt sich beispielsweise bei längerer Ruhigstellung eines Gelenks: Die mechanische Belastung fehlt, wodurch sich Struktur und Belastbarkeit des Bindegewebes verändern können. Wird das Gelenk anschließend wieder regelmäßig bewegt und belastet, passt sich das Gewebe erneut an. Kollagenfasern werden umgebaut und neu ausgerichtet, wodurch sich Beweglichkeit und Belastbarkeit schrittweise verbessern können.
Industriell hergestelltes Kollagen wird vor allem als Pulver angeboten, ist aber auch in Form von Kapseln, Trinkampullen oder Cremes erhältlich. Laut Herstellern soll es altersbedingte Veränderungen der Kollagenstruktur ausgleichen und so die Jugendlichkeit der Haut erhalten. Beworben werden unter anderem ein glatteres Hautbild, gesunde Knorpelstrukturen sowie stärkere Bänder und Gelenke.
Kollagen als Pulver oder Creme: Ein Mittel gegen Falten?
Das in Cremes enthaltene Kollagen hat soll laut Werbung in die oberste Hautschicht (Epidermis) eindringen und dort Fältchen "aufpolstern" können. Einen leichten Effekt auf trockene Haut und damit verbundene Fältchen halten Expertinnen und Experten für möglich, denn das Wasser in den Cremes kann den Feuchtigkeitsgehalt der obersten Hautschichten verbessern, wodurch feine Trockenheitsfältchen weniger sichtbar erscheinen. Die Kollagenmoleküle in den Cremes sind jedoch zu groß, um in tiefere Hautschichten vorzudringen. Auch Kollagen zum Einnehmen, etwa in Form von Trinkampullen oder Pulvern, wird in einigen Fällen mit einer hautglättenden Wirkung beworben. Einzelne kleine Studien deuten auf einen möglichen Effekt oral eingenommenen Kollagens auf Hautelastizität und -feuchtigkeit hin. Viele dieser Untersuchungen wurden jedoch von Herstellern finanziert, weshalb ihre methodische Qualität und Aussagekraft als umstritten gelten.
Kollagen für die Haut im Test: Das sagt die Forschung
Forschende aus Südkorea und Australien werteten 2025 im American Journal of Medicine insgesamt 23 randomisierte kontrollierte Studien mit rund 1.500 Teilnehmenden aus verschiedenen Ländern aus. Berücksichtigt wurden sowohl industriegeförderte als auch unabhängig finanzierte Untersuchungen. Das Ergebnis: Für die oft beworbenen Effekte auf Hautbild, Falten oder Spannkraft gibt es bislang keine überzeugenden Belege. Auch die Stiftung Warentest Kollagenpulver: Schönheit lässt sich leider nicht trinken | Stiftung Warentest kommt in ihrer Bewertung zu einem ähnlichen Schluss und sieht für Kollagenpräparate keinen verlässlichen Nutzen für die Haut.
Kollagen-Pulver oder -Kapseln: Wirkung auf Gelenke
Einige Studien zeigen Hinweise auf mögliche positive Effekte von Kollagenpräparaten auf Gelenkbeschwerden, insbesondere in frühen Stadien der Arthrose, etwa eine leichte Verbesserung der Gelenkfunktion oder eine moderate Schmerzreduktion. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist jedoch begrenzt, und ein eindeutiger Zusammenhang mit der Einnahme von Kollagen ist bislang nicht gesichert. Fachleute weisen daher darauf hin, dass die Erwartungen an Kollagenpräparate häufig höher sind als die wissenschaftlich belegbare Wirkung.
Einnahme von Kollagen-Pulver kann Gelenkprobleme nicht verhindern
Expertinnen und Experten halten die Aussage, Kollagen-Pulver könne Gelenkproblemen wie Arthrose vorbeugen und sie verhindern, für nicht haltbar. Da es sich um Nahrungsergänzungsmittel handelt, müssen die Hersteller eine Wirksamkeit nicht in Studien nachweisen. Zudem gibt es zu sehr hohen Dosierungen und Langzeitgebrauch nur begrenzte Daten. Am besten sollte man daher mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob eine Einnahme von Kollagen sinnvoll sein könnte.
Nebenwirkungen: Blähungen und Allergien können auftreten
Kollagen-Pulver gilt insgesamt als gut verträglich. In Einzelfällen können leichte gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder unspezifische Magenbeschwerden auftreten. Diese werden teilweise bei höheren Dosierungen berichtet, sind jedoch nicht eindeutig evidenzbasiert. Allergische Reaktionen sind selten, können aber insbesondere bei Personen mit Allergien gegen die Ausgangsquellen (beispielsweise Fisch oder Rind) vorkommen. Auch Zusatzstoffe in Kombinationspräparaten können Nebenwirkungen haben: So kann Nicotinsäure (Vitamin B3) vorübergehend eine Hautrötung mit Wärmegefühl – einen sogenannten Flush – hervorrufen. Bei bestehenden Nierenerkrankungen sollte eine regelmäßige Einnahme von Kollagen ärztlich abgeklärt werden.
Kollagen-Aufnahme im Körper
Kollagen-Pulver und -Kapseln werden häufig damit beworben, die Gesundheit von Gelenken, Knochen, Knorpel und Muskulatur zu unterstützen. Dabei wird suggeriert, der Körper könne das enthaltene Kollagen direkt aufnehmen und gezielt in entsprechende Strukturen einbauen, da es dem körpereigenen Kollagen ähnlich sei.
Gewonnen wird Kollagen überwiegend aus tierischen Nebenprodukten wie Rinderhaut, Schweineschwarte, Hühnerhaut oder Fischbestandteilen. Durch enzymatische Aufspaltung (Hydrolyse) entsteht sogenanntes Kollagenhydrolysat, das im Vergleich zu natürlichem Kollagen leichter verdaulich ist.
Tatsächlich wird Kollagen im Verdauungstrakt nicht als intaktes Strukturprotein aufgenommen. Es wird in Aminosäuren sowie kleine Peptide zerlegt, darunter Glycin, Prolin und Hydroxyprolin. Diese Bausteine können vom Körper anschließend für verschiedene Stoffwechselprozesse genutzt werden, unter anderem auch für die körpereigene Kollagensynthese. Es ist jedoch unklar, ob das so gebildete Kollagen gezielt Haut oder Gelenken zugutekommt.
Wichtige Aminosäuren stecken auch in vielen Lebensmitteln
Die für die körpereigene Kollagenbildung notwendigen Aminosäuren sind auch in vielen alltäglichen Lebensmitteln enthalten. So findet sich Glycin sowohl in tierischen Quellen wie Rindfleisch und Lachs als auch in pflanzlichen Lebensmitteln wie Sojabohnen, Erbsen, Linsen, Haferflocken, Kürbiskernen, Reis, Erdnüssen und Weizenkeimen. Prolin liefern unter anderem Linsen und Tofu.
Hydroxyprolin kommt hingegen überwiegend in tierischen Produkten wie Knochenbrühe oder Gelatine vor. Der Körper ist jedoch in der Lage, Hydroxyprolin selbst aus Prolin zu synthetisieren - vorausgesetzt, es steht ausreichend Vitamin C als Cofaktor zur Verfügung. Dieses Vitamin spielt generell eine zentrale Rolle bei der Kollagenproduktion, ebenso wie Spurenelemente wie Zink und Kupfer.
Kollagenpulver wird im Körper in Aminosäuren zerlegt und kann grundsätzlich zur Eiweißversorgung beitragen. Einige Studien zeigen mögliche kleine Effekte auf Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Gelenkbeschwerden, die Evidenz ist jedoch insgesamt uneinheitlich und nicht eindeutig.
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